Geschichtspolitik in Schleswig-Holstein nach 1945 (im Vergleich mit Südjütland)
Prof. Dr. Karl-Heinrich Pohl
Das Forschungsprojekt beabsichtigt, Zielsetzungen und Funktionen, Wirkungsmechanismen und Methoden sowie Erfolge und Eindringtiefe von Geschichtspolitik zu untersuchen. Unter Geschichtspolitik wird das gezielte politische Bemühen verstanden, ein gewolltes und gewünschtes Geschichtsbild zu konstruieren und politisch zu nutzen. Es geht damit um die von bestimmten gesellschaftlichen Kräften geförderte Implantation der für richtig und gut befundenen Sichtweise von der Vergangenheit in das Bewusstsein der Bevölkerung und um den Versuch, dieser Sichtweise Allgemeingeltung zu verschaffen, mit dem Ziel, diese politisch zu instrumentalisieren.
Analysiert werden zu diesem Zweck das Handeln staatlicher und nicht-staatlicher Organisationen sowie anderer geschichtspolitischer Akteure, wie z.B. der politischen Parteien, der Landeszentrale für Politische Bildung, von Heimatverbänden und Geschichtsvereinen, von Schulen und Hochschulen sowie anderen geschichtlichen Bildungsinstitutionen in Schleswig-Holstein (und Südjütland). Es soll nicht nur danach gefragt werden, wer welche historischen Ereignisse für jeweils welche politischen Zielsetzungen zu nutzen versuchte, sondern auch, in welchem Maße die intendierte Wirkung tatsächlich erzielt wurde. Damit wird der – bislang eher vernachlässigte – wirkungsgeschichtliche Aspekt von Geschichtspolitik besonders betont.
In diesem Projekt wird kein rein nationaler Zugang gewählt. Dieser soll vielmehr durch einen regionalen oder landesgeschichtlichen Zugang und durch eine transnationale Perspektive, die Schleswig-Holstein und das dänische Südjütland umfasst, ergänzt, erweitert und aufgebrochen werden. Das Projekt will damit, neben der regionalen Perspektive, auch die den nationalen Raum übergreifende politische Inanspruchnahme von Geschichte herausarbeiten. Es will ihre Kontinuitäten oder Diskontinuitäten analysieren, ihre jeweiligen Veränderungen und Brüche zeigen, ihre Mechanismen aufdecken und schließlich ihre Wirkungen und ihre Nachhaltigkeit untersuchen. Dabei sollen insbesondere die neueren Ansätze der Regionalforschung, der historischen „border studies“ sowie der soziologischen Raumforschung genutzt werden.
Das Projekt nimmt zu diesem Zweck nicht nur geographische, sondern auch inhaltlich-thematische Eingrenzungen vor. Im Mittelpunkt soll das Thema Nationalsozialismus und der geschichtspolitische Umgang mit diesem Abschnitt der Vergangenheit stehen. Dabei wird sich das Projekt der Bedeutung und den Einflüssen anderer historischer Perioden jedoch keinesfalls verschließen.
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IZRG-Kolloquium zur Zeit- und Regionalgeschichte im WS 2011/2012
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