Das Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte

Die IZRG-Schriftenreihe

Das 1992 gegründete Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte (IZRG) ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Universität Flensburg mit Sitz in Schleswig. Es arbeitet ohne Fachbereichsangehörigkeit in direkter Zuordnung zum Präsidium.

Das IZRG verfügt über ein ganz spezifisches Profil. Direkt vergleichbare Einrichtungen sind uns nicht bekannt. Ursachen für diese ‚Alleinstellung‘ finden sich in der Gründungsgeschichte und inhaltlichen wie personellen Entwicklung des Instituts sowie in seiner Ansiedlung.

Das IZRG erforscht die regionale Geschichte Schleswig-Holsteins ab dem Beginn der Industrialisierung, insbesondere in grenzüberschreitender Perspektive. Zu den Forschungsfeldern gehören neuerdings verstärkt Fragestellungen aus der Fachdidaktik Geschichte und die Vermittlung von Geschichte mittels (neuer) Medien.

Neben der Forschung hat das IZRG traditionell die weiteren, als gleichrangig definierten Aufträge der Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit wahrzunehmen. Das IZRG ist folglich nicht als reines Forschungsinstitut zu begreifen.

Sein Sitz ist Schleswig. Die im Prinzenpalais angelegte unmittelbare Nachbarschaft zum Landesarchiv unterstützt den Auftrag der regionalhistorischen Forschung nachhaltig. Aufgaben und Struktur des Instituts sind in der (Ziel-)Vereinbarung mit der Universität für den Zeitraum 2009 bis 2013 definiert. Beraten wird der Vorstand des IZRG durch einen wissenschaftlichen Beirat. Die aktuelle Satzung des IZRG finden Sie hier (PDF).

Gründung und Entwicklung

Entstehung, Konstruktion und Aufgabenkanon des Instituts sind als ein geschichtspolitischer Reflex auf den spezifischen Umgang mit regionaler Zeitgeschichte in Schleswig-Holstein zu verstehen. Das IZRG verdankt seine Gründung der seit 1985 im Schleswig-Holsteinischen Landtag geführten Debatte über die Erforschung und Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen in Schleswig-Holstein. Der Forschungsstand zur regionalen Zeitgeschichte war - im Gegensatz zur sonstigen Landesgeschichte und im Vergleich mit Nachbarländern - außergewöhnlich defizitär.

Landtagsdebatten, ein einhelliger Parlamentsbeschluss und die gemeinsamen Überlegungen von drei Geschichtsvereinen ('Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein', 'Arbeitskreis für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins' und 'Beirat für Geschichte der Arbeiterbewegung und Demokratie in Schleswig-Holstein') bildeten im Jahre 1991 schließlich die Grundlage für die Entscheidung der Landesregierung, das „Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte“ (IZRG) zu gründen. Die nicht konfliktlose Standortwahl ging zugunsten der damaligen Pädagogischen Hochschule Flensburg aus, die sich offener zeigte als die Landesuniversität in Kiel, die - damals - vertreten durch ihr Historisches Seminar Schleswig-Holstein als „zeithistorisch nicht bedeutsam“ einstufte.

Die Entfaltung des IZRG verlief in den von Erwartungsdruck gekennzeichneten Anfangsjahren nicht friktionsfrei, sowohl im Innern als auch im Verhältnis zur engen Szenerie der schleswig-holsteinischen Geschichtslandschaft. Das Jahr 1999 kann als Zäsur gelten; seither bestimmen personelle Kontinuität, Profilierung, Projektcharakter, Kooperation sowie vollinhaltliche Übereinstimmung mit dem Kuratorium und der Universität Flensburg das Geschehen. Eine eingehende Evaluation fand im Jahr 2005 statt; es sei auf den umfänglichen Evaluationsbericht verwiesen. Im Rahmen der kontinuierlichen Profilierung war es nur folgerichtig, eine 2007 beiläufig ausgesprochene Empfehlung des damaligen Staatssekretärs aufnehmend, zum 1.1.2009 aus der Trägerschaft des Landes als An-Institut der Universität Flensburg auszuscheiden und als In-Institut zur regulären wissenschaftlichen Einrichtung der Universität Flensburg zu werden.

Zum IZRG gehört schließlich eine eigene IZRG-Projektkultur: Aufgrund der Personal- und Mittelknappheit ist das Institut darauf angewiesen, mit Hilfe von Studierenden, Doktorandinnen und Doktoranden Projekte durchzuführen, die andernorts von wissenschaftlichen Mitarbeitern getragen würden. Darüber hinaus werden zahlreiche Praktikantinnen und Praktikanten betreut.  Insgesamt ist eine Klientel entstanden, die durchaus inhaltlich profitiert und sich auch weiterhin mit dem IZRG verbunden fühlt, den Kontakt hält und in Einzelfragen mit IZRG-Mitarbeitern zusammenwirkt. Im Zusammenhang mit unserem Doktoranden-Betreuungsprojekt begreifen wir das als spezifische Form der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Das Profil des Instituts

Das spezifische Profil des IZRG resultiert aus seiner Aufgabenstellung und Ansiedlung.

Ehemals das Statut, heute die ‚(Ziel-)Vereinbarung 2009 bis 2013‘ mit der Universität Flensburg formulieren völlig identisch die Aufgabe, „die Geschichte der Demokratisierung, Geschichte der Arbeiterbewegung, Geschichte des Nationalsozialismus einschließlich seiner Vor- und Nachgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Mentalitätsgeschichte sowie die politische Zeitgeschichte in Schleswig-Holstein seit dem Beginn der Industrialisierung unter landes-, regional- und lokalgeschichtlichen Aspekten und im Kontext insbesondere mit der dänischen Geschichte zu erforschen, darzustellen und zu vermitteln.“ Unmittelbar daran anschließend heißt es: „Es betreibt demnach Forschung und Öffentlichkeitsarbeit und bietet Veranstaltungen zur Fort- und Weiterbildung an.“ (Vereinbarung § 2 (1)).

Als profilgebende IZRG-Tätigkeitsfelder leiten wir aus diesen Vorgaben ab:

a) regionale zeithistorische Forschung in gemeinsamen Projekten und Einzelvorhaben,

b) wissenschaftliche und populäre Vermittlung durch Publikationen und Veranstaltungen

c) Schulungs- und Materialangebote für Multiplikatoren in Schule und Gesellschaft.

 Seit seiner Gründung ist das IZRG mit der Universität – ehemals Pädagogische Hochschule und Bildungswissenschaftliche Hochschule – Flensburg eng verflochten, inzwischen ein Teil von ihr geworden. Fraglos wird auch in Zukunft ein wesentlicher Schwerpunkt der Universität in jenen neuen BA- und MA-Studiengängen liegen, die stark überwiegend der Lehramtsausbildung zuzurechnen sind. Mutmaßlich wird die Universität zukünftig weit stärker als bisher zudem schulbezogene Unterrichts- und Bildungsforschung propagieren sowie auch fachdidaktische Forschung in den Fächern fordern, die – wie die Fachdidaktik Geschichte – bereits übergreifende, nicht allein schulbezogene Forschungsschwerpunkte etabliert haben.

 Aus dieser Einbindung in die Universität Flensburg leiten wir ein weiteres, vergleichsweise junges profilgebendes IZRG-Tätigkeitsfeld ab:

d) fachdidaktische Forschung zum Historischen Lernen in Gesellschaft und Schule.

Fachdidaktische Forschungsvorhaben werden von uns folgerichtig als gleichrangig mit zeithistorischer Forschung erachtet und in der Zukunft nicht unerheblichen Raum im Forschungsprogramm des IZRG einnehmen, ohne dabei aber das spezifische Profil und die besonderen Potentiale des Instituts aufzugeben.

Der Begriff der ‚Region‘ rückt über die fachwissenschaftliche Gegenstandskennzeichnung hinaus zunehmend auch methodisch, fachdidaktisch und theoretisch in den Mittelpunkt, er bildet sozusagen die gemeinsame Klammer, schafft eine reflektierte Integration der IZRG-Tätigkeitsfelder.

Forschung, Vermittlung, Öffentlichkeitsarbeit als integratives Konzept begriffen

Die Forschungsansätze im IZRG entsprechen den üblichen an universitäre Forschung angelegten Standards: Die Wissenschaftler des IZRG kooperieren mit Universitäten und Forschungseinrichtungen innerhalb und außerhalb Deutschlands, wobei die Kooperation mit dänischen Einrichtungen einen besonderen Stellenwert einnimmt. Auch die Forschungsvorhaben reichen inhaltlich über die Landesgrenzen hinaus, sind teilweise komparatistisch angelegt, werden in aktuelle Forschungsdebatten eingebunden. IZRG-Mitarbeiter sind in der wissenschaftlichen Community vernetzt, sie nehmen am wissenschaftlichen Austausch außerhalb des Landes teil und sind auf internationalen Konferenzen präsent. Das gilt sowohl für die zeithistorische Forschung als auch für Forschungen aus der Fachdidaktik Geschichte.

Eigene IZRG-Tagungen und -Konferenzen gründen vor allem auf der Kooperation im norddeutschen und skandinavischen Raum oder haben spezifische fachdidaktische Fragestellungen zur Basis und entsprechen damit den Vorgaben der Vereinbarung und strategischen Zielen der Universität Flensburg. Beispielhaft erwähnt seien die internationale, interdisziplinäre Konferenz ‚Das Internet als Raum Historischen Lernens‘, Schleswig/Flensburg Februar 2007 (Danker, Schwabe), und die internationale fachwissenschaftliche Konferenz „Das ‚Reichskommissariat Ostland‘. Tatort und Erinnerungsobjekt: Konstruktionen“, Flensburg Mai 2009 (Bohn, Danker, Lehmann; Kooperationspartner Deutsche Forschungsgemeinschaft, Militärgeschichtliches Forschungsamt Potsdam und Deutsches Historisches Institut Warschau).

Vor dem Hintergrund der Gründungsgeschichte des IZRG lag bisher das Hauptgewicht der zeithistorischen Forschung in der Bearbeitung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein, unter dezidierter Berücksichtigung seiner Vor- und Nachgeschichte. Dieser Forschungsschwerpunkt fand in zahlreichen Vorhaben mit entsprechenden Publikationen Niederschlag. Verbliebene Projekte werden in den kommenden Jahren abgeschlossen. Mit dem Hand-, Lehr- und Lesebuch von Uwe Danker und Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, Neumünster 2005, hat das IZRG eine aktuelle Zwischenbilanz vorgelegt, an der zahlreiche Angehörige der ‚IZRG-Projektkultur‘ mitgewirkt haben.

Daneben bestehen als weitere inhaltliche Schwerpunkte die Erforschung der Minderheiten im Grenzraum, die deutsch-dänische Geschichte sowie die Perspektive der Ostsee; die Federführung für diese Aktivitäten liegt bei Robert Bohn.

Aktuell aufgelegt und in den nächsten Jahren wachsender Forschungsschwerpunkt wird die Geschichte des Bundeslandes Schleswig-Holstein sein, die wir unter dem analytischen Leitbegriff „Strukturwandel“ in jeweils zwei korrespondierenden Arbeiten für die Mikro- und Makroebene auf fünf Teilfeldern bearbeiten werden. Gesellschaftlicher Strukturwandel in der Region nach 1945 bezieht sich sowohl auf die sektoralen Prozesse in der Landwirtschaft und in der Industrie in Schleswig-Holstein seit 1945, als auch auf die Bereiche der Bildung und Verwaltung sowie Bundeswehr und Tourismus. Der Bedeutung dieses Schwerpunkts gemäß wird er getragen von Robert Bohn, Uwe Danker und Sebastian Lehmann.

Zunehmend richten wir unser Interesse auch auf aktuelle fachdidaktische Fragestellungen, insbesondere auf Formen außerschulischer Geschichtsvermittlung. Kinder und Jugendliche wie auch Erwachsene begegnen ‚Geschichte‘ nicht nur im Rahmen organisierten ‚Historischen Lernens‘ in Schule und Hochschule und durch die Fachwissenschaft. Diverse andere Ausformungen der uns umgebenden ‚Geschichtskultur‘ haben ebenfalls erheblichen Einfluss auf das individuelle und das kollektive ‚Geschichtsbewusstsein‘; hierzu gehören Orte der kollektiven Erinnerung wie beispielsweise Museen, Gedenkstätten oder Archive genauso wie (Massen-) Medien und verschiedenste lebensweltliche Bezüge wie Alltagsgespräche und soziale Prägungen in Familie wie Gruppe. Auch so lernen wir historisch - im Gegensatz zum bewussten, absichtsvollen, reflektierten und methodischen Lernen in Schule und Hochschule jedoch meist unbewusst, beiläufig und zufällig. Diese außerschulische Geschichtskultur kann sehr wirkmächtigen problematischen Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein haben, weil sie früher, beiläufiger und in zeitlich höherem Maße auf uns Individuen wirkt als der (Geschichts-) Unterricht. Derartige ungeregelte, ja ‚anarchische‘ Prozesse Historischen Lernens begreifen wir als eine analytische wie normative Herausforderung für die Geschichtsdidaktik und beteiligen uns mit einschlägigen Forschungen.

 

Traditionell begreift das IZRG seinen Vermittlungsauftrag als breitenwirksam: Einschlägige an eine begrenzte regionalhistorische Fachwelt gerichtete Publikationen haben wir seit langem ergänzt um Produkte für Multiplikatoren in Schule und Gesellschaft sowie um eigene populäre, also an möglichst viele Menschen gerichtete Publikationen auch in alten wie neuen Massenmedien. Auch dabei bemühen wir uns um fachdidaktisch und theoretisch abgesicherte, also seriöse, aber zugleich marktorientierte Angebote. Gemeint sind Buchpublikationen, Zeitungsserien, Mitwirkung an Fernsehproduktionen, Ausstellungen, Vorträge, Veranstaltungen und Diskussionsleitungen, experimentelle Publikationen, ehrenamtliches einschlägiges Engagement, gemeinsame Mitwirkung am regionalhistorischen Jahrbuch ‚Demokratische Geschichte‘.

Neben dem bereits erwähnten Band „Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus“ spielt im Zusammenhang der Vermittlungsarbeit eine ganz herausragende Rolle das mit drei weiteren Hochschulpartnern im Rahmen einer Interreg-Finanzierung in drei Jahren entwickelte und realisierte Projekt ‚Virtuelles Museum vimu.info` zur Geschichte Schleswig-Holsteins und Süddänemarks in der Moderne, für die IZRG-Beteiligung (didaktisches Konzept, deutsche inhaltliche Beiträge, Projektkoordination) verantwortet von Astrid Schwabe und Uwe Danker in den Jahren 2005 bis 2008.

 

Der IZRG-Arbeitsbereich der Fort- und Weiterbildung spielt ebenso eine Roll und wird vor allem von dem Studienrat Sebastian Lehmann und der Fachdidaktikerin Astrid Schwabe vertreten. Dabei lassen sich durchaus sehr arbeitsintensive wie ambitionierte Vorhaben nennen: In der Projektphase befinden sich derzeit eine (unseren einschlägigen Band ergänzende, den Anspruch einer vollständigen Abdeckung des Lehrplans erhebende) regionalgeschichtliche Lehrerhandreichung „Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus“ und eine (ebenfalls mit den anderen Produkten verzahnte) regionalhistorische Quellensammlung zum Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein auf Kreisebene. In Zusammenarbeit mit dem ‚Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein‘ (IQSH) erreichen wir seit 2008 zunehmend und gezielt Multiplikatoren im praxisorientierten Schulbereich. So präsentierte das IZRG auf dem ersten Landesfachtag Geschichte und auf einer deutsch-dänischen Lehrerkonferenz das Virtuelle Museum und bestritt mehrere Tagesmodule der Lehramtsausbildung und Lehrerfortbildungen jeweils mit einschlägigen inhaltlichen Schwerpunkten Regionalgeschichte, Geschichte in Neuen Medien, NS-Geschichte.

 

Einige Produkte des IZRG wurzeln zugleich in mehreren IZRG-Tätigkeitsfeldern. Sie können als durchaus charakteristische cross-over Produktionen gelten. Der Band „Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus“ (2005) erhebt den Anspruch, zugleich Hand-, Lehr- und Lesebuch zu sein, also den wissenschaftlichen Forschungsstand widerzuspiegeln, als didaktisch und methodisch abgesichertes Lehrwerk genutzt werden zu können und zugleich attraktiv genug für die allgemein interessierte Leserschaft zu sein.

Das „Virtuelle Museum vimu.info“ (2008) ist ebenfalls unter Beteiligung quasi aller IZRG-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sowie zahlreicher Projekt-Mitwirkender entstanden und enthält auch (eigene) Forschungsergebnisse, die fachwissenschaftlich und fachdidaktisch abgesichert sind, zugleich aber mediengerecht, zielgruppendifferenziert und populär vermittelt werden (siehe "über vimu.info"). Spezielle fachdidaktische Aufbereitungen und Materialien für Lehrkräfte in Schulen werden auf der Homepage angeboten. In der letzten Stufe des Prozesses wird die Nutzung des Virtuellen Museums im Rahmen eines Dissertationsprojektes evaluiert und wissenschaftlich analysiert: Alle vier profilgebenden IZRG-Tätigkeitsfelder haben Beiträge zum Gesamtprodukt geleistet.